Obstbäuerin Petra Lechner verkauft ihre Äpfel, Marillen und Zwetschgen lieber direkt, als sie an die großen Supermarktketten zu liefern. Vor einigen Jahren begann die Landwirtin aus dem Mostviertel mit der Direktvermarktung. Sie wollte die Preise selbst gestalten, um wirtschaftlich stabil zu sein. Mit Erfolg: Mittlerweile verkauft Lechner ihre Produkte im eigenen Hofladen und beliefert mehrere Bauernläden, Firmen und Schulen. Die Direktvermarktung macht heute deutlich mehr als die Hälfte des Einkommens des Betriebs aus.
Immer mehr heimische Bauern entscheiden sich, bei der Vermarktung ihren eigenen Weg zu gehen. Einer Studie des Marktforschungsinstituts Keyquest zufolge sind 29 Prozent der Landwirte Direktvermarkter – Tendenz steigend. Sieben Prozent spielen mit dem Gedanken, in den Direktvertrieb einzusteigen, darunter vor allem junge Bäuerinnen und Bauern. Am häufigsten wird Fleisch verkauft, und das vor allem in Westösterreich, wo sich häufig Touristen Speck, Wurst und Co mit nach Hause nehmen. Dahinter folgen Eier und Fruchtsäfte. In Ostösterreich ist der Wein ein großer Faktor.
Bauern haben Probleme mit dem Lebensmittelhandel
Im Schnitt erwirtschaften die Betriebe, die ihre Produkte selbst vermarkten, damit 36 Prozent ihres Einkommens. „Aus meiner Sicht entwickelt sich die Direktvermarktung deswegen so positiv, weil eine Reihe von Betrieben wirtschaftlich nicht mehr mit dem heimischen Handel als Partner zurechtkommt“, sagt Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger.
Nicht nur die Direktvermarktung an sich liegt im Trend, auch der Einkauf im Hofladen werde immer beliebter, sagt Karl Grabmayr, Obmann des Verbands bäuerlicher Direktvermarkter Österreichs. Und das, obwohl die Preise oft höher sind als im Supermarkt. Das liege etwa daran, dass die Vermarktung im Lebensmitteleinzelhandel „in ganz anderen Größenordnungen“ funktioniere, was eine „völlig andere Preisbildung“ ermögliche, begründet Moosbrugger die Unterschiede.
„Man darf Äpfel nicht mit Birnen vergleichen“
Grabmayr warnt davor, „Äpfel mit Birnen zu vergleichen“. Wenn im Handel das gleiche Produkt mit derselben Qualität und Herkunft angeboten wird, seien die Preisunterschiede meist nicht groß. Obstbauern könnten ihre Früchte für den Bauernladen im idealen Moment der Reife verarbeiten und seien nicht so sehr von Lieferwegen und -verträgen abhängig, weshalb die Qualität im Hofladen oft höher sei.
Grabmayr selbst ist Milchbauer und verkauft seine Produkte etwa an Großküchen wie in Krankenhäusern. Mehr als die Hälfte seines Einkommens verdiene er mittlerweile damit. Bei seiner Milch könne es etwa einen preislichen Unterschied geben, weil die Molkerei der Milch Fett entzieht, um dieses für andere Produkte zu verwenden. Im Hofladen wiederum biete Grabmayr die Milch mit dem vollen Fettgehalt an. Insgesamt sei Österreichs Lebensmittelhandel von Aktionen geprägt, weshalb Produkte im Supermarkt teilweise sehr günstig angeboten werden.